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Plan B 2.0

Für Multiplikator*innen und Interessierte

Sind Sie Beraterin oder Berater und haben mit Studienzweifler*innen oder Studienabbrecher*innen zu tun? Haben Sie Verwandte, Freunde oder Bekannte, die ihr Studium abgebrochen haben? Beschäftigen Sie sich mit dem Thema Fachkräftesicherung und wollen mehr über die Zielgruppe der Studienabbrecher*innen wissen?

Oder interessieren Sie sich einfach für das Thema?

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Unsere Angebote für Multiplikator*innen vor Ort

Wir stärken die Vernetzung der Beratungs- und Unterstützungsangebote in Leipzig mit dem Ziel, Studienzweifler*innen und Studienabbrecher*innen bestmöglich bei Ihrer Orientierung zu unterstützen. Dazu organisieren wir einen Arbeitskreis beratender und unterstützender Stellen sowie Workshops zur Weiterbildung und Vernetzung für Multiplikator*innen.

Foto: Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt e. V., Referent Malte Hübner mit Teilnehmenden

Arbeitskreis beratender und unterstützender Stellen zu Studienzweifel und Studienabbruch in Leipzig

Um Studierende mit Studienzweifeln oder Studienabbruchgedanken bestmöglich bei ihrer Orientierung zu unterstützen, treffen sich die Leipziger Beratungs- und Unterstützungsstellen einmal jährlich zu einem gemeinsamen Arbeitskreis. Dieser wird seit 2015 von der KOWA in wechselnder Projektverantwortung (aktuell Plan B) gemeinsam mit der Zentralen Studienberatung sowie dem Career Service der Universität Leipzig organisiert und durchgeführt.

Arbeitskreis: Zielgruppe und Schwerpunkte

Der Arbeitskreis richtet sich an Beratungs- und Unterstützungsstellen, die sich über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und bewährte Ansätze in der Beratung von Studierenden mit Studienzweifeln oder Studienabbruchgedanken austauschen möchten. Ziel ist es, die Zusammenarbeit der Akteurinnen und Akteure zu stärken und die Unterstützungsangebote kontinuierlich zu vernetzen und weiterzuentwickeln.

Je nach Schwerpunkt des jeweiligen Arbeitskreistreffens stehen folgende Themen im Mittelpunkt:

  • Kollegialer Austausch über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen in der Beratung von Studierenden mit Studienzweifeln oder Studienabbruchgedanken

  • Vernetzung der Leipziger Beratungs- und Unterstützungslandschaft sowie gegenseitiges Kennenlernen der Angebote und Zuständigkeiten

  • Weiterentwicklung und Abstimmung von Verweis- und Kooperationsstrukturen zwischen den beteiligten Einrichtungen

  • Austausch über typische Anliegen und Problemlagen ratsuchender Studierender sowie über bewährte Beratungsansätze und Handlungsmöglichkeiten

  • Diskussion aktueller Querschnittsthemen: beispielsweise zur zukünftigen Studierendengeneration Alpha und einer zielgruppengerechten Ansprache, zur Bedeutung niedrigschwelliger Beratungsangebote, sowie zu Chancen und Grenzen des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz in der Beratung.

Der Arbeitskreis orientiert sich an den Interessen und Bedarfen seiner Mitglieder. Die inhaltlichen Schwerpunkte werden daher bedarfsorientiert gestaltet und an aktuelle Entwicklungen sowie relevante Fragestellungen angepasst.

Rückblick 18. Arbeitskreistreffen 28.10.2025 „Wie tickt die Generation Alpha?“

Für das Schwerpunktthema „Wie tickt die Generation Alpha? – Ein Blick in Richtung zukünftiger Studierendengenerationen“ wurde der Referent Malte Huebner von der Koordinierungsstelle für Studieninformation und -beratung in Niedersachsen gewonnen. Anhand fünf ausgewählter Untersuchungen konnte ein Blick auf die Annahmen der Generationenforschung geworfen und gemeinsam eruiert werden, welche davon für den beraterischen Kontakt relevant sind und wie wir dieser Generation zielgruppengerecht begegnen können. In Kleingruppen wurden konkrete Bilder und Vorstellungen der Generation Alpha in Form von Personas entwickelt und gemeinsam mögliche Ideen für den beraterischen Umgang mit diesen erarbeitet.

Rückblick 17. Arbeitskreistreffen 19.09.2024 Schwerpunktthema Niedrigschwellige Beratung

Für das Schwerpunktthema Niedrigschwellige Beratung wurde Juliane Hug vom Uniklinikum Leipzig mit einem Impulsvortrag „Niedrigschwelligkeit von Online‐Beratungsangeboten am Beispiel des ENHANCE Projekts“ gewonnen. Der Impulsvortrag zeigte den niedrigschwelligen Zugang zu Online-Beratungsangeboten am Beispiel von Enhance auf, und ermutigte, unterschiedliche Beratungszugänge zu implementieren. Ziel war es, Beratungshürden für unterschiedliche Studierendengruppen zu identifizieren und Lösungen zum Abbau der Hürden zu diskutieren. In zwei thematischen Gruppen konnte sich vertieft ausgetauscht werden:

1) Welche Ratsuchenden begegnen mir in der Beratung und welche Herausforderungen bringen sie mit?

2) Welche Schwellen könnte es in meiner Beratung geben und wie könnten diese sich auf die Ratsuchenden auswirken?

3) Wie könnte ich die Schwellen herabsetzen, um den Ratsuchenden den Zugang zur Beratung zu erleichtern?

Im Anschluss erfolgte eine Vorstellung guter Beispiele bundesweiter niedrigschwelliger Beratungsangebote für Studienzweifelnde und Studienabbrechende.

Workshops für Multiplikator*innen

Mit unseren Workshops schaffen wir einen Raum für fachliche Impulse, kollegialen Austausch und gemeinsame Reflexion, um Studierende mit Studienzweifeln oder Studienabbruchgedanken bestmöglich bei ihrer Orientierung zu unterstützen. Dafür laden wir externe Expert*innen und Trainer*innen ein, die aktuelle Perspektiven und praxisnahe Methoden einbringen.

Die Workshops richten sich an Berater*innen aus Beratungs- und Unterstützungsstellen für Studierende, die ihre eigene Beratungspraxis weiterentwickeln und neue Impulse gewinnen möchten.

In den Workshops haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, ihr fachliches Wissen zu vertiefen, die eigene Beratungspraxis zu reflektieren und gemeinsam Ansätze für eine wirksame Begleitung von Studierenden in Orientierungs- und Entscheidungsprozessen weiterzuentwickeln.

Foto: Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt e. V., Trainerin Katharina Lübstorf mit Teilnehmenden

Rückblick Workshop „Studierende diversitätsbewusst beraten: Vielfalt begegnen, Zugehörigkeit schaffen“ 25.06.2026

Aufgrund der großen Nachfrage wurde der Workshop aus dem Jahr 2025 erneut angeboten und inhaltlich um das Konzept der Zugehörigkeit (Belonging) erweitert.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Studierende in ihrer Vielfalt beraten werden können, ohne sie auf einzelne Merkmale oder Unterschiede zu reduzieren. Aufbauend auf den Grundlagen des Vorjahres lag der Schwerpunkt auf dem Konzept der Zugehörigkeit (Belonging) und der Frage, wie Beratende durch ihre Haltung und ihr Handeln dazu beitragen können, dass sich Studierende an ihrer Hochschule willkommen, ernst genommen und zugehörig fühlen können.

Ziel des Workshops war es, die eigene Rolle als Berater*in zu reflektieren und Impulse für eine diversitätsbewusste und zugehörigkeitsfördernde Beratungspraxis zu entwickeln.

Der Workshop wurde von Katharina Lübstorf durchgeführt. Sie ist Diversity Trainerin und Projektkoordinatorin im Career Service der Universität Potsdam.

Rückblick Workshop „Unsere inneren Denkmuster – Wie beeinflussen sie unsere Arbeit mit Studierenden? Vielfalt in der Beratung reflektieren und gestalten“ 15.04.2025

Die Beratung von Studierenden ist von Vielfalt geprägt. Sie unterscheiden sich z. B. hinsichtlich des Geschlechts, des Alters, der körperlichen und geistigen Fähigkeiten, des Bildungshintergrunds, der geografischen, ethnischen und sozialen Herkunft, der Religion oder des Lebensstils.

Durch die Wahrnehmung unterschiedlicher Merkmale kann es passieren, dass wir Ratsuchende in „Schubladen“ einsortieren. Einige unserer „Schubladen“ sind uns bewusst und wir hinterfragen sie kritisch. Andere hingegen wirken unbemerkt und beeinflussen unser Handeln, indem sie uns Vorstellungen darüber vermitteln, was für jemanden „gut“ sein könnte oder wo Herausforderungen liegen. Das ist ganz natürlich und betrifft uns alle. Doch oft lenken diese Vorstellungen unbewusst unsere Beratungen und können uns daran hindern, Ratsuchende wirklich in ihrer Entscheidungsfindung zu begleiten und Möglichkeiten zu erkennen.

Ziel des Workshops war es, eigene Denk- und Handlungsmuster im Umgang mit unterschiedlichen Studierenden zu reflektieren und theoretische Ansätze aus der Anti-Bias Arbeit kennen zu lernen. So konnte das Wissen der Berater*innen über Diversity und Diskriminierung erweitert werden. Ihre Kompetenzen für ein vorurteilsbewusstes und diskriminierungssensibles Handeln wurden gestärkt. Ein wichtiger Bestandteil des Workshops war der Austausch der Teilnehmenden untereinander.

Der Workshop wurde von Katharina Lübstorf durchgeführt. Sie ist Diversity Trainerin und Projektkoordinatorin im Career Service der Universität Potsdam.

Rückblick Workshop „Die Säulen der Resilienz: Stressbewältigung und Selbstfürsorge für Beratende“ 11.09.2024

Die Beratung von Studierenden ist anspruchsvoll und von komplexen institutionellen Herausforderungen geprägt, was bei Berater*innen nicht selten zu hohem Stressempfinden führt.

Ziel des Workshops war es daher, die eigene Rolle in diesem Spannungsfeld zu reflektieren, individuelle Stressoren zu identifizieren und wirksame Selbstfürsorgestrategien zu entwickeln. Neben der Auseinandersetzung mit dem Konzept der Resilienz wurden praktische Übungen zur Resilienzsteigerung erprobt. In Kleingruppen tauschten sich die Teilnehmenden über die Grenzen und Herausforderungen ihrer Beratungsrolle aus und erkundeten persönliche Ressourcen.

Geleitet wurde der Workshop von Beatrix Stark. Sie ist Psychosoziale Beraterin des StuRa der Universität Leipzig und der HTWK Leipzig und u. a. zertifizierte Stresskursleiterin und Entspannungstherapeutin.

Sie möchten über unseren Arbeitskreis oder unser aktuelles Workshopangebot informiert werden? Als Ansprechpartnerin steht Ihnen Franziska Wildner zur Verfügung:

Franziska Wildner
Projektleiterin Plan B 2.0
KOWA Leipzig
0341/97-30033 oder 0341/307687-25
franziska.wildner@kowa-leipzig.de

Zahlen, Übersichten, Arbeitshilfen

Wir haben verschiedene Informationen zusammengestellt, die uns aus der Perspektive unserer langjährigen Arbeit mit Studienabbrecher*innen, Hochschulen, Beratungseinrichtungen, Unternehmen und weiteren Akteur*innen in der Region Leipzig als relevant erscheinen.

Weitere Informationen und Materialien, insbesondere Arbeitshilfen zur Beratung sowie Fortbildungsangebote, finden Sie im Rahmen unseres Projekts Quickstart Sachsen Transfer .

Zahlen und Studienergebnisse zum Thema Studienabbruch

Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) forscht seit Jahren zum Thema Studienabbruch und erhebt kontinuierlich Daten zu den Abbruchquoten. Die aktuellsten Publikationen stammen aus dem Projekt „Studienabbruch – Umfang und Motive“, welche von 2014 bis 2017 im Auftrag des BMBF und der Stiftung Mercator durchgeführt wurde.

Neben der Berechnung von Schwund- und Abbruchquoten wurde ein theoretisches Modell zum Studienabbruch entwickelt und Exmatrikulierte zu ihrem weiteren Werdegang befragt. Auch Studienberatungen, Career Center sowie Fakultäten und Fachbereiche wurden in die Untersuchung einbezogen.

Website zum Forschungsprojekt: https://www.dzhw.eu/forschung/projekt?pr_id=240

Zentrale Befunde aus den Studien:

  • Die Studienabbruchquote liegt bei 29 Prozent (Stand der Veröffentlichung: 2018).

  • 42 Prozent der Studienabbrecher*innen beginnen eine berufliche Ausbildung. Ihre Motivation, diese abzuschließen, ist sehr groß. Lediglich 3 Prozent brachen im Untersuchungszeitraum ab.

  • Studienabbrecher*innen, die eine Ausbildung begonnen oder abgeschlossen haben, sind zufriedener mit dem eigenen Werdegang und ihrer aktuellen Situation als diejenigen, die ohne Ausbildung erwerbstätig oder arbeitslos sind.

  • Zentrale Aspekte bei der Attraktivität von Berufsausbildung sind: starker Praxisbezug, günstige Ausbildungsbedingungen, intensive Betreuung, schnelles Erreichen eines Abschlusses, Nähe zum gewohnten Umfeld, hohe Chancen auf dem Arbeitsmarkt, Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit, hohes fachliches Niveau und geringe finanzielle Belastungen.

  • Der Übergang in die Berufsausbildung ist häufig mit Hürden versehen und von Orientierungslosigkeit gekennzeichnet. Je frühzeitiger die Studienabbrecher*innen Informationen erhalten und sich über ihre eigenen Interessen und Fähigkeiten im Klaren sind, umso schneller und reibungsloser erfolgt die Aufnahme einer Berufsausbildung.

  • Beratungs- und Unterstützungsangebote sind bei den Studienabbrecher*innen wenig bekannt, obwohl sie eine wichtige Funktion für einen gelingenden Übergang spielen können.

  • Nicht allen Ausbildungsbetrieben ist das Potenzial von Studienabbrecher*innen als Auszubildende bewusst.

Quelle: Heublein, Ulrich et al. (2018): Die Attraktivität der beruflichen Bildung bei Studienabbrecherinnen und Studienabbrechern. Reihe Berufsbildungsforschung Band 18 (https://www.dzhw.eu/pdf/21/Berufsbildungsforschung_Band_18.pdf)

Broschüre "Kein Land in Sicht? Neuorientierung bei Studienzweifeln und Studienabbruch"

Für Studienzweifelnde sowie Studienabbrechende gibt es von Plan B 2.0 eine Broschüre (Stand 01/2025), in der die Vielzahl von beruflichen Möglichkeiten - sei es bei Zweifeln am Studium oder nach einem möglichen Studienabbruch - vorgestellt werden. Die Broschüre gibt Informationen über Alternativen wie zum Beispiel zum Studiengangwechsel, dualen Studium oder zur schulischen bzw. dualen Ausbildung an die Hand, mit denen die Zielgruppe informierte Entscheidungen treffen kann. Ehemalige Studierende teilen ihre Erfahrungen und berichten, wie sie die herausfordernde Phase des Studienabbruchs gemeistert haben. Sie erzählen, wie alternative berufliche Wege für sie zu einer neuen Perspektive wurden.

Für die eigene Beratungspraxis kann die Reflexionsmethode genutzt werden. Sie unterstützt die tiefergehende Auseinandersetzung mit der aktuellen Studiensituation.

Analyse zur Situation und Beratung in Leipzig

Die Projekte „Plan B – Durchstarten in eine berufliche Zukunft“ (innerhalb des Bundesprogramms "JOBSTARTER plus - für die Zukunft ausbilden" mit der Laufzeit: 01.01.2015 – 31.12.2017) sowie dessen Anschlussprojekt „Plan (Beruf) – Perspektiven nach Studienabbruch“ (Laufzeit: 01.01.2018 – 31.12.2020) richteten sich an (potenzielle) Studienabbrecher*innen, die sich für eine duale Ausbildung in der Region Leipzig interessieren sowie an kleine und mittlere Unternehmen, die Studienabbrecher*innen als Auszubildende gewinnen wollen.

Innerhalb der Projekte mussten – mit dem Einverständnis der jeweiligen Personen – eine Reihe von Daten erhoben werden, unter anderem in Zusammenhang mit der Beratung von Studienzweifler*innen und Studienabbrecher*innen. Diese Daten waren nicht nur notwendig und hilfreich, einzelne Ratsuchende unterstützen zu können, sondern ermöglichen es nun auch, ein Bild dieser speziellen Zielgruppe zeichnen zu können. Im Sinne der Nachhaltigkeit der im Projekt gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse soll dieser Bericht dazu dienen, den Blick auf die Themen Studienzweifel und Studienabbruch zu schärfen und anhand der aufbereiteten Ergebnisse eine Nachnutzung für die Beratungslandschaft zu ermöglichen.

Der komplette Bericht steht hier zum Download zur Verfügung: Analyse zur Situation und Beratung von Studienzweifler*innen und Studienabbrecher*innen am Standort Leipzig (2021) .

Gründe für Studienabbruch

Wichtig zu wissen ist, dass es sich bei einem Studienabbruch um einen längeren Entscheidungsprozess handelt – er findet nicht spontan und kurzfristig statt. Außerdem lässt sich ein Studienabbruch in der Regel nicht auf einen einzigen Grund zurückführen, sondern es gibt verschiedene Faktoren, die sich zum Teil untereinander bedingen und im Laufe des Studiums verstärken können. Allerdings gibt es zum Zeitpunkt des Abbruchs häufig einen Faktor, der den Ausschlag gibt (z. B. finanzielle Gründe), die anderen Faktoren wirken dann eher verstärkend.

Diese einflussnehmenden Faktoren beziehen sich nicht nur auf die momentane Studiensituation, sondern stammen auch aus der Zeit vor dem Studium (z. B. Schulzeit) oder aus der Studieneinstiegsphase, sie können jedoch auch mit der Herkunft zu tun haben (z. B. nicht-akademischer Haushalt).

Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), das bereits seit vielen Jahren zum Thema Studienabbruch forscht, beschreibt folgende Phasen des Studienabbruchs mit den dazugehörigen Faktoren:

Phase 1 – Studienvorphase:

  • Aspekte der sozialen und familiären Herkunft

  • Zentrale Persönlichkeitseigenschaften

  • Bildungssozialisation vor Studienantritt

  • Studienentscheidungen

Phase 2 – Studiensituation:

  • Interne Faktoren wie Studierverhalten, Studienmotivation, Leistungsverhalten, psychischen und physischen Ressourcen

  • Externe Faktoren wie konkrete Studienbedingungen, Studienanforderungen, Lebensbedingungen (Wohnmöglichkeit, Studienfinanzierung), bestehende Alternativen zum Studium sowie das Informationsangebot

Phase 3 – Konkrete Entscheidungssituation für oder gegen Studienabbruch:

  • Innere Faktoren wie Studienmotivation, Leistungsverhalten und psychische Ressourcen spielen zusammen

  • Äußere Faktoren nehmen Einfluss

  • Veränderungen ergeben sich im Zeit- und Studienverlauf

  • Gedanken an Studienabbruch kommen auf, wenn es zu dauerhaften Widersprüchen zwischen inneren Faktoren und äußeren Faktoren kommt

  • Entscheidung für den Studienabbruch fällt dann, wenn sich Widerspruch nicht auflösen lässt, indem Veränderungen bei den internen und externen Faktoren gesucht werden

  • Ein Faktor gibt den Ausschlag, der dann als Abbruchgrund benannt wird; andere Faktoren tragen aber maßgeblich bei

Das DZHW benennt neun Gruppen von Abbruchmotiven:

  • Leistungsprobleme

  • Mangelnde Studienmotivation

  • Finanzielle Situation

  • (Wunsch nach) Praktische(n) Tätigkeiten

  • Berufliche Alternative

  • Studienorganisation

  • Studienbedingungen

  • Persönliche Gründe (individuelle Problemlagen)

  • Familiäre Gründe

Diese Forschungsergebnisse sind auch für die Beratung von Studienzweifler*innen und Studienabbrecher*innen hilfreich, da am Beginn einer Beratung in der Regel die Analyse der Ausgangssituation und damit auch der Blick auf den (bereits vollzogenen oder in Frage kommenden) Studienabbruch steht.

Literatur: Heublein, U. u.a. (2017): Zwischen Studienerwartungen und Studienwirklichkeit. Ursachen des Studienabbruchs, beruflicher Verbleib der Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher und Entwicklung der Studienabbruchquote an deutschen Hochschulen. Forum Hochschule 1/2017 (Download: https://www.dzhw.eu/pdf/pub_fh/fh-201701.pdf).

Beratungs- und Unterstützungsangebote bei Studienzweifel/-abbruch

Mittlerweile gibt es für Studienzweifler*innen sowie Studienabbrecher*innen neben Plan B 2.0 eine Reihe von Beratungs- und Unterstützungsangeboten, nicht nur in der Region Leipzig. Diese werden von Hochschulen angeboten, von Studentenwerken, von den Agenturen für Arbeit, auch von anderen Institutionen wie bspw. den Kammern.

Für die Region Leipzig finden Sie eine Übersicht in unserem Beratungskompass oder in Form unserer Broschüre "Kurswechsel?!" (2022).

Für ganz Sachsen gibt es einen Überblick auf der Homepage des sachsenweiten Vernetzungsprojekts "Quickstart Sachsen Transfer" www.studienabbruch-und-weiter.de.

Vernetzung von Beratungs- und Unterstützungsangeboten

Für Beraterinnen und Berater, die mit Studienzweifler*innen und Studienabbrecher*innen zu tun haben, ist es nicht nur wichtig, die anderen Beratungs- und Unterstützungsangebote zu kennen, sondern im besten Fall auch die Personen, die dort arbeiten.

Solche Netzwerke sind meist regional organisiert. In Leipzig übernimmt diese Funktion beispielsweise der „Arbeitskreis zur Vernetzung beratender Stellen zum Thema Studienzweifel/ Studienabbruch“, der 2015 im Rahmen des Projekts Plan B der Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt e.V. und der Zentralen Studienberatung der Universität Leipzig gegründet wurde und sich regelmäßig ein Mal im Jahr trifft (Ansprechpartnerinnen: Franziska Wildner franziska.wildner@kowa-leipzig.de und Wiebke Lückert wiebke.lueckert@zv.uni-leipzig.de). Neben einem kollegialen Austausch gibt es Raum für die Weitergabe von Wissen und die Weiterentwicklung der Angebote. In diesem Zusammenhang entstand auch die Arbeitshilfe „Passgenaue Beratung und Verweisberatung für die Zielgruppe Studienzweifler*innen und Studienabbrecher*innen an Leipziger Hochschulen“ (2019).

Arbeitshilfe "Passgenaue Beratung und Verweisberatung"

Nicht immer ist es möglich, als einzelne Beratungsstelle zu allen auftretenden Fragen beraten zu können, zumal die Anliegen von Studienzweifler*innen und Studienabbrecher*innen oft komplexer Natur sind und die Beratungsstellen verschiedene Schwerpunkte in ihrer Arbeit haben. Eine Verweisberatung ist daher häufig eine sinnvolle Maßnahme, da es eine passgenaue Beratung durch Expert*innen ermöglicht. Dabei bedeutet Verweisberatung nicht immer, dass der- oder diejenige nicht weiter von der ursprünglichen Anlaufstelle beraten wird. So kann die Beratung durch eine andere Stelle zu einem konkreten Thema ergänzend im Beratungsprozess genutzt werden.

Im „Arbeitskreis zur Vernetzung beratender Stellen zum Thema Studienzweifel/ Studienabbruch“ entstand 2019 die Arbeitshilfe „Passgenaue Beratung und Verweisberatung für die Zielgruppe Studienzweifler*innen und Studienabbrecher*innen an Leipziger Hochschulen“. Die Arbeitshilfe dokumentiert die Praxis – sowohl Gelingendes als auch Herausforderungen – und zeigt Ansätze für eine Optimierung auf.

Da die Arbeitshilfe auch über den Arbeitskreis hinaus genutzt werden kann und – mit Anpassungen – auch in anderen Regionen einsetzbar ist, darf sie ausdrücklich weiterverwendet, kopiert und verändert werden. Über einen Hinweis auf die Quelle würden wir uns freuen.

Arbeitshilfe gesamt [Download pdf]

Arbeitshilfe Einzeldokumente:
Arbeitsmaterial Verweisberatung [Download Word-Datei]
Anlage a - Formular Verweisberatung [Download Worddatei]
Anlage b - Zustimmung zur Datenübermittlung [Download Worddatei]
Anlage c - Vorlage Schweigepflichtentbindung [Download Worddatei]
Anlage d - Checkliste Erstgespräch Plan B [Download Worddatei]
Anlage e - Fragen zur Problemeingrenzung Plan A [Download pdf]

Beratungs- und Coaching-Instrumentarien

Im Projekt Quickstart Sachsen+ wurde 2022 ein vielschichtiges Instrumentarium für die Beratung von psychisch belasteten Studienzweifler*innen und -abbrecher*innen mit einem besonders hohen Orientierungsbedarf entwickelt. Dieses Instrumentarium wurde in der Entwicklungsphase mit erfahrenen Berater*innen erprobt. Sie können die Handreichung hier herunterladen.
Diese und weitere Arbeitshilfen finden sich auf der Homepage des Sächsischen Verbundprojekts Quickstart Sachsen Transfer.

Weitere Arbeitshilfen für Multiplikator*innen

Für die Unterstützung von Studienzweifler*innen und Studienabbrecher*innen wurden in den letzten Jahren viele Instrumente erprobt, die zum Teil online genutzt werden können. Das Projekt Plan B(eruf) empfiehlt Studienzweifler*innen Studienabbrecher*innen folgende Tools, allerdings möglichst immer in Kombination mit einer persönlichen Beratung, die die Orientierung unterstützt:

  • CheckU-Tool der Bundesagentur für Arbeit – Mittels dieser Online-Hilfe kann ein persönliches Kompetenzprofil erarbeitet werden und es werden Ausbildungsberufe und Studienfelder vorgeschlagen. Als Vorbereitung für eine Beratung zur beruflichen Orientierung hilfreich.

  • Berufe.net - Angebote der Bundesagentur für Arbeit, um sich mit Berufsbildern vertraut zu machen.

  • Clearing-Tool ist im Rahmen des Projekts Quickstart Sachsen entstanden. Es soll Berater*innen, die mit Studienzweifler*innen und Studienabbrecher*innen arbeiten, eine systematische Analyse der Ist-Situation erleichtern und helfen, darauf aufbauend weiterführende Unterstützungsmaßnahmen zu planen.

Weitere Informationen und Instrumente für Multiplikator*innen:

  • JOBSTARTER Arbeitshilfe Nr. 2 des BMBF „Studienabbrecherinnen und -abbrecher für die duale Berufsausbildung gewinnen. Eine Arbeitshilfe für das Beratungspersonal mit Ideen aus der Projektpraxis“. Dort sind deutschlandweit Best Practice-Beispiele aus verschiedenen Projekten versammelt.  

  • JOBSTARTER Arbeitshilfe Nr. 5 des BMBF "Studienzweifelnde und -abbrechende gemeinsam mit Hochschulen besser beraten. Eine Arbeitshilfe für das Beratungspersonal mit Ideen aus der Projektpraxis". Die Arbeitshilfe thematisiert die funktionierende Zusammenarbeit mit Hochschulen zum Thema Studienzweifel und Studienabbruch und spricht damit vor allem Beratungspersonal an, welches nicht an der Hochschule beschäftigt ist.

  • Das Studentenwerk Leipzig hat auf der Webseite zu seinen Beratungsangeboten häufig gestellte Fragen (FAQ) veröffentlicht. Die Antworten geben eine erste Orientierung und zeigen zudem im Sinne der Lotsenfunktion weiterführende Unterstützungsangebote auf. [FAQ der psychosozialen Beratung, FAQ der Sozialberatung].