Vor Anker gehen – Nach dem Studienabbruch ins Unternehmen

Der dritte Fachtag innerhalb des Leipziger Projekts „Plan B“ im September 2017 beschäftigte sich mit der Frage, wie einfach oder auch schwer es für Studienabbrecherinnen und -abbrecher ist, einen Ausbildungsplatz in einem Unternehmen zu erhalten. Dabei ging es sowohl um die Situation bundesweit als auch speziell um die Region Leipzig. Ergebnisse von Studien, praktische Erfahrungen aus Projektarbeit und persönliche Erfahrungsberichte trugen bei den 47 Teilnehmenden zu einem Gesamtbild bei.

Im Vortrag von Dr. Margit Ebbinghaus (BiBB) wurde zunächst thematisiert, warum Betriebe Studienabbrechende überhaupt an Bord holen wollen und welche Herausforderungen es dabei zu meistern gilt. Zur Beantwortung zog sie neben einer Betriebsbefragung des BiBB auch Studierendenbefragungen und den BiBB-Expertenmonitor heran. Es zeigte sich sehr deutlich, dass mittlerweile viele Betriebe aufgrund zurückgehender Bewerberzahlen oder aus Mangel an passenden Bewerber(inne)n sich für Studienabbrechende öffnen, dass sich jedoch für generell wenig nachgefragte Ausbildungsberufe auch in dieser Zielgruppe keine Auszubildenden gewinnen lassen. Von Sonderregelungen halten sie generell wenig. Das Fazit von Dr. Margit Ebbinghaus: Wichtiger als „Sonderangebote“ erscheint Unterstützung bei der Kontaktaufnahme zwischen beiden Seiten. Das unterstreichen auch die Projekte aus Jena und Leipzig, die anschließend aus ihrer täglichen Praxis mit Studienabbrechenden und Unternehmen berichten.

Die abschließende Fragerunde, in der drei Studienabbrecher(innen) zu Wort kommen, die mittlerweile eine duale Berufsausbildung aufgenommen haben, hinterlässt bei allen Anwesenden einen durchweg positiven Eindruck. Sie zeigt, dass es sich trotz Hürden lohnt, Studienabbrecher(inne)n eine zweite Chance zu geben und sie auf dem Weg dahin zu unterstützen. Auch die befragten Unternehmensvertreterinnen schließen sich dieser Meinung an. Die Begeisterung, die die ehemaligen Studienabbrecher(innen) und heutigen Auszubildenden ausstrahlen, illustriert die Worte von Dr. Margit Ebbinghaus, die dafür plädiert, den Studienabbruch nicht als Scheitern zu sehen, sondern lediglich als „Korrektur des Bildungswegs“.

Abschließend wird von den Teilnehmer(inne)n des Fachtags diskutiert, dass es generell notwendig sei, das Ansehen der dualen Berufsausbildung zu verbessern, ohne Studium bzw. akademische Abschlüsse und Ausbildung gegeneinander auszuspielen. Die Durchlässigkeit des Bildungssystems in beide Richtungen zu erhöhen, ohne von Auf- oder Abstieg zu sprechen, trägt dazu bei.

Das Programm im Einzelnen:

  • Begrüßung und Einführung
    Jana Wünsch, KOWA Leipzig/Projekt „Plan B“
  • Studienabbrecher(innen) – Nehmen Betriebe sie an Bord?
    Vorstellung einer Betriebsstudie, Dr. Margit Ebbinghaus (BiBB Bonn)
  • Einschätzung der Ergebnisse aus regionaler Perspektive
    Korreferat, Andrea Sicker (Arbeitgeberservice, Agentur für Arbeit Leipzig)
  • Erfahrungen aus zwei Studienabbrecher-Projekten
    Projekt „PereS“, Dietmar Naue (Jenaer Bildungszentrum gGmbH)
    Projekt „Plan B“, Susan Wille (KOWA Leipzig)
  • Studienabbrecher(innen) und Personaler(innen) berichten aus der Praxis
    Moderierte Fragerunde
Für weitere Fragen stehen Ihnen Frau Jana Wünsch, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Tel. 0341/97-30037 als Ansprechpartnerinnen gerne zur Verfügung.

Eindrücke:

1 Frau Dr. Margit Ebbinghaus Referentin klein  2 Herr Dietmar Nauer Referent klein


3 Moderierte Fragerunde klein

[Photos: KOWA Leipzig]




"Willkommen an Bord?! Fachtag zur Attraktivität der beruflichen Bildung für Studienabbrecher"

Auf dem zweiten Fachtag innerhalbe des Leipziger Studienabbrecher-Projekts "Pan B - Durchstarten in die berufliche Zukunft" im September 2016 wurde die Frage in den Mittelpunkt gestellt, was eine duale Berufsausbildung eigentlich attraktiv für Studienabbrecher und Studienabbrecherinnen macht. 50 Teilnehmende hörten während der dreistündigen Veranstaltung dazu drei Vorträge und eine Podiumsdiksussion, die das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchteten.

Zunächst stellte Dr. Philipp Seegers Ergebnisse der Studienreihe "Fachkraft 2020" vor, in der Studierende zur Attraktivität beruflicher Bildung wissensschaftlich befragt wurden. Dabei zeigte sich u. a. eine deutliche Rangfolge bei der Attraktivität ganzer Berufsfelder: Am besten schnitten Organisation/ Verwaltung/ Büro, gefolgt von Medizin und Informationstechnologie ab, während Körperpflege, Bau und Reinigung azf den letzten Plätzen rangierten. Ergänzt wurden diese Ergebnisse von aktuellen Zahlen des Ausbildungsmarktes der Region Leipzig, wobei Gabriele Seifert und Frank Tanzmann von der IHK auch einen Blick auf den künftigen Fachkräftebedarf warfen. Dabei wurde deutlich, dass die beruflichen Wünsche der Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher eher nicht in den Berufsfeldern liegen, in denen bereits jetzt großer Bedarf besteht. Unternehmen aus diesen Bereichen brauchen daher ein innovatives Ausbildungsmanagement. Der Vortrag von Dr. Gudrun Stahn zeigte daher Wege auf, wie ausbildende Betriebe ihre Attraktivität erhöhen können.

Auf besonderes Interesse stieß das sog. "Vignetten-Verfahren" der wissenschaftlichen Studie. Es ermöglichte sehr genau anzugeben, welche Faktoren eune deutliche Steigerung der Attraktivität von Berufsausbildung mit sich bringen und welche nicht. Erwartungsgemäß wurde die Ausbildung attraktiver, je besser sie vergütet wurde, eine Verkürzung machte sich ebenfalls positiv bemerkbar. Weniger vorhersehbar war, dass auch bei steigender Übernahmewahrscheinlichkeit die Attraktivität wuchs. Angenehme Bedingungen im Ausbildungsbetrieb, wie z. B. eine mittlere Mitarbeiterzahl zwischen 50 und 250, flache Hierarchien und flexible Arbeitszeiten, wirkten sich leicht positiv aus, während die Gestaltung der Berufsschulbedingungen keinen Einfluss hatte. Besonders anschaulich für das Publikum wurde es, weil die Wissenschaftler die Effekte in Euro pro Monat angeben konnten. So müsste das Reinigungsgewerbe z. B. rund 740 Euro mehr Lohn zahlen, um mit anderen Branchen an Attraktivität gleich zu ziehen.

In der anschließenden Diskussion wurde mit Vetretern von Kammern, Gewerkschaften und Unternehmen noch einmal die Frage aufgefriffen, für welche Berufsgruppen - wie z. B. die Notarfachangestellten - es besonders sinnvoll ist, Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher anzusprechen. Bei den Handwerksberufen ist es zwar aufgrund der Engpässe naheliegend, hier ist jedoch ein längerer Weg zurückzulegen, um ehemlaige Studierende dafür zu begeistern. Ein sicherer Arbeitsplatz in der Region ist dabei ein wichtiges Argument.

Das Programm im Einzelnen:

  • Begrüßung und Einführung
    Jana Wünsch, KOWA Leipzig/ Projekt "Plan B"
  • "Die Attraktivität beruflicher Bildung für Studienabbrecher"
    Vortrag, Dr. Philipp Seegers, Universität Maastricht
  • "Die Situation auf dem Arbeitsmarkt und der zukünftige Fachkräftebedarf in der Region"
    Vortrag, Gabriele Seifert und Frank Tanzmann, IHK zu Leipzig
  • "Ausbildungsmarketing im Hinblick auf die Zielgruppe Studienabbrecher"
    Vortrag, Dr. Gudrun Stahn, MA&T Organisationsentwicklung/ Projekt "ISABEL"
  • Erfahrungen aus dem Projekt "Plan B"
    Vortrag, Susan Wille, KOWA Leipzig/ Projekt "Plan B"
  • Podiumsdiskussion: "Wie sieht eine attraktive Berufsausbildung (nicht nur) für Studienabbrecher in der Region aus?"
    Mit: Sascha Hahn (IG Metall Berlin Brandenburg Sachsen), Sandra Lehmann (NOWEDA Apothekergenossenschaft), Tino Hantschmann (Handwerkskammer zu Leipzig), Manuel Kahlisch (Notarkammer Sachsen), Erik Wolf (DGB Leipzig-Nordsachsen, Moderation)

Für weitere Fragen zu der Veranstaltung oder zum Projekt "Plan B" steht Ihnen Jana Wünsch (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Tel. 0341 - 97 30037) und Susan Wille (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Tel. 0341 - 97 30037) gerne zur Verfügung.

Eindrücke:

                                                                              
01 Susan Wille Fachtag Leipzig klein        02 Podium Fachtag Leipzig klein

[Photos: KOWA Leipzig]



Neue Horizonte eröffnen – Fachtag diskutiert Perspektiven nach Studienabbruch in der Region Leipzig

Um auf das Thema duale Berufsausbildung nach Studienabbruch aufmerksam zu machen, lud die Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt Leipzig im Rahmen ihres Projektes „Plan B“ am 17.09.2015 zu Vorträgen, Podiumsdiskussion und Erfahrungsaustausch ein. 57 Interessierte aus verschiedenen Institutionen wie z. B. den Leipziger Hochschulen, der Agentur für Arbeit, den Kammern und Gewerkschaften kamen zum vierstündigen Fachtag im Leipziger Volkshaus.

Mit wem haben wir es eigentlich zu tun, wenn wir über Studienabbrechende reden? Wie ist das Image von Studienabbrechenden auf Seiten der Unternehmen und welche Erfahrungen gibt es in Betrieb, Berufsschule und in der Beratung? In Vorträgen und einer Podiumsdiskussion wurden diese Fragen aus verschiedenen Perspektiven beantwortet. Julia Ebert vom DZHW benannte Zahlen und Fakten und brachte etwas Licht in die „Black Box“ Studienabbrecher und deren Motive. Einige spannende Fragen, z. B. welche Unterschiede es bei den Geschlechtern gibt und wie lang der Prozess des Studienabbruchs dauert, wird sie allerdings erst 2016 beantworten können, wenn die Ergebnisse der aktuellen Studie vorliegen. In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern der Handwerkskammer, der Stadt Leipzig, einer Berufsschule und einem Auszubildenden, der ein Studium abgebrochen hat, wurden Studienabbrechende als gern gesehene Bewerber benannt – nicht nur bei Unternehmen, sondern auch in Berufsschulen. Bereits ein oder zwei in einer Klasse können weniger motivierte und leistungsstarke Schüler mitziehen. Es wurde ein sehr positives Bild von Studienabbrechenden gezeichnet, dass jedoch nicht immer zu dem eher negativen Selbstbild der Studienabbrechenden passt. Letzteres entsprach vor allem den Erfahrungen der Projekte Looping (Berlin) und Plan B (Leipzig), die u. a. Studienabbrechende beraten.

Deutlich wurde, dass diejenigen, die am Studium zweifeln oder bereits abbrechen mussten, häufig an Information, Beratung und Unterstützung interessiert sind, jedoch nicht immer gleich die richtige Anlaufstelle finden. Wege, sie in Kontakt mit Unternehmen und schließlich in eine duale Ausbildung zu bringen, sind zwar zum Teil vorhanden, jedoch nicht immer hinreichend bekannt. Hier besteht viel Potenzial für das Projekt „Plan B“ in der Region Leipzig vorhandene Angebote bekannt zu machen und verschiedene Formen der Ansprache von Studienabbrechenden und Unternehmen auszuprobieren. Im Rahmen eines weiteren Fachtags 2016 soll der Fokus darauf liegen, wie die beiden Gruppen einfacher in Kontakt kommen können und Übergänge vom Studienabbruch in eine duale Berufsausbildung kürzer gestaltet werden können.

Eindrücke:

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[Photos: KOWA Leipzig]




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